Freitag 3. Dezember 2021
univie - das Alumnimagazin der Universität Wien
   
   

 

 

 

 

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univie 3/2021

 Nov 21 - Feb 22

 

Hidden Champions.

Von Oxford bis zum Weltraum: Mithilfe der Alumni Community haben wir bemerkenswerte
Absolvent*innen aufgespürt und stellen einige von ihnen vor.
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HIDDEN CHAMPIONS. In dieser Ausgabe holen wir Absolvent*innen vor den Vorhang, die etwas Bemerkenswertes gestartet haben und auf vielfältige Weise herausragend sind, sich für andere einsetzen, etwas bewegen oder einen besonderen Lebensweg hatten.
Von Oxford bis zum Weltraum - zwei von ihnen stellen wir hier vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

Leseprobe aus univie 3/2021: 

Bemerkenswert!

Von Oxford bis zum Weltraum: Zwei bemerkenswerte
Absolvent*innen stellen wir hier vor.

 

Texte: Siegrun Herzog

 

VOM UNI WIEN CAMPUS NACH OXFORD. Sie war die Erste in ihrer Familie, die einen Universitäts­abschluss machte. Inzwischen forscht und lehrt die Alumna Raphaela Rohrhofer in Oxford, wo sie kürzlich ihr Doktorat mit hervorragender Beurteilung abschloss.

 

SUMMA CUM LAUDE. An den Moment, als sie erfuhr, an der Universität Oxford aufgenommen worden zu sein und dafür das Höchststipendium zu bekommen, kann sich Raphaela Rohrhofer noch gut erinnern. Sie saß im Zug und war gerade am Weg von einer Konferenz in ­Lausanne zurück nach Wien, als die Nachricht kam. „Ich rief sofort meine Mutter an, und daraufhin applaudierten alle Leute in meinem Waggon, die meine Freude mitbekommen hatten, ein toller Moment“.

Seither ist viel passiert: Zunächst absolvierte Rohrhofer ein Masterstudium in Kunstgeschichte in London, es folgte ein Master in mittelalterlicher englischer Literatur in Oxford und schließlich die Dissertation, in der die Mittelalter-Expertin über die Mystikerin Julian of Norwich, Weisheit und das „apophatische Nichts“ schrieb. Für ihre Forschung studiert die gebürtige Niederösterreicherin Manuskripte aus dem 12. bis 14. Jahrhundert auf Latein oder Mittelenglisch. „Die Bodleian Library war einer der Gründe, warum ich nach Oxford wollte“, so Rohrhofer, „hier habe ich gelernt, mich mit den Quellen im Original intensiv auseinanderzusetzen. “

In all ihren Studiengängen in England sei sie die erste Person aus Österreich gewesen, die dafür aufgenommen wurde, erinnert sie sich. „Bei mir gab es niemanden, den ich um Rat fragen konnte. Als Erste etwas zu machen, verlangt einem sehr viel ab, es ist anstrengend“, sagt die Alumna, „aber wahrscheinlich auch gut für den Charakter“.

Diese Erfahrung sei einer der Gründe, warum sie sich in „Outreach-Programmen“ beteiligt, wo Leute aus weniger privilegierten Verhältnissen an das Aufnahmeverfahren und die Studienkultur in Oxford herangeführt werden. Jungen Studierenden will sie mitgeben, dass es bei der Entscheidung für ein Studium oder eine wissenschaftliche Karriere nicht auf die soziale Herkunft ankommt, sondern auf Talent, Fokussierung und die Leidenschaft für ein Fach.

Inzwischen hat Rohrhofer übrigens einen Lehrauftrag in Oxford übernommen und erinnert sich noch gerne an ihre Zeit in Wien: „Professor Wöhrer vom Anglistik-Institut ermutigte mich damals, meine Diplomarbeit als Buch zu veröffentlichen, das in der Folge mehrere Preise gewann. Damit wurde mir der Weg nach Oxford geebnet.“

 

 

„Bei mir gab es niemanden, den ich um Rat fragen konnte. Als Erste etwas zu machen, verlangt einem sehr viel ab, es ist anstrengend, aber wahrscheinlich auch gut für den Charakter.“

 

Dr. (Oxon.) Raphaela Rohrhofer
Alumna der Anglistik und Kunst­geschichte der Uni Wien,
des ­Courtauld Institute of Art (London)
und der University of Oxford
 

 

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ASTRONOM OHNE STARALLÜREN. Der Astronomie- und Physik-­Alumnus Rudolf Albrecht war in den Geburtsjahren des Hubble Space Telescope in den USA maßgeblich an dessen Entwicklung beteiligt. Heute engagiert sich der 75-Jährige in Citizen-Science-Projekten und sucht auch als Sportler noch den besonderen Kick.

 

PIONIERGEIST. „Hier bin ich am Sonntag zweimal vorbeigelaufen, einmal bei Kilometer 7 und einmal bei Kilometer 41“, erzählt Rudi Albrecht im Café Schwarzenberg, wo wir uns zum Interview verabredet haben. Den Wien Marathon im September hat sich der 75-Jährige auch heuer nicht entgehen lassen. Um sich fit zu halten, trainiert er mehrmals die Woche, auch Fallschirmspringen, Sky Diving und das Herumschrauben an Oldtimern zählt der aktive Emeritus inzwischen zu seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen. Doch Albrecht erinnert sich an Zeiten, in denen Arbeiten fast rund um die Uhr angesagt war – in Baltimore zu Beginn der 1980er-Jahre. Albrecht war einer der Wissenschafter, die an der Entwicklung des ersten Weltraumteleskops – des Hubble Space Telescope – von Anfang an maßgeblich beteiligt waren. Er sei damals direkt vom hochsommerlichen Chile, wo er zu dieser Zeit am US-Observatorium Cerro Tololo gearbeitet hatte, ins tiefwinterliche Wisconsin beordert worden, um zunächst den Projektantrag und nach erfolgreicher Genehmigung durch die NASA das „Space Telescope Science Institute“ an der Johns Hopkins University in Baltimore mit aufzubauen. „Meine Haare wurden grau während der ersten zwei Jahre Space Telescope. Wir haben 16 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche gearbeitet, heimgefahren sind wir nur zum Schlafen“, erinnert sich Albrecht an die harten Geburtsjahre des Weltraumteleskops.

Noch während seines Astronomie- und Physikstudiums an der Uni Wien hatte sich Albrecht auf computergestützte Bildverarbeitung spezialisiert und war als Computerfachmann ein gern gesehener Partner bei Projekten der Weltraumagenturen NASA und ESA. „Das Space Telescope läutete einen Paradigmenwechsel ein, das Universum ist für uns in jeder Hinsicht mehrdimensional geworden. Bei diesem zukunftsweisenden Astronomie-Projekt von Anfang an dabei zu sein, war eine großartige Erfahrung“, sagt er rückblickend.

Viel verdanke er seinem damaligen Astronomie-Professor Karl Rakosch an der Uni Wien. „Mit ihm sind amerikanische Arbeitsweisen eingezogen und er hat uns vermittelt, dass Wissenschaft nichts Todernstes oder Unangenehmes ist, sondern Spaß machen kann und die guten Ideen meist dann kommen, wenn man nicht in etablierten Bahnen denkt.“ Heute ist Albrecht für die Vereinten Nationen im „Committee on the Peaceful Uses of Outer Space“ tätig und engagiert sich im Österreichischen Weltraumforum in ­Citizen-Science-Projekten. Sein Wissen und seine Erfahrungen einer nächsten Generation weiterzugeben, sieht Albrecht als seine Verpflichtung, die ihm überdies auch großen Spaß zu machen scheint.

 


 

„Das Space Telescope läutete einen Paradigmenwechsel ein, das Universum ist für uns in jeder Hinsicht mehrdimensional geworden. Bei diesem zukunftsweisenden Astronomie-Projekt von Anfang an dabei zu sein, war eine großartige Erfahrung.“

 

Dr. Rudolf Albrecht
Alumnus der Astro­physik der Uni Wien

 

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