Staberl und die Mondlandung

Wie haben österreichische Zeitungen die Mondlandung kommentiert? Eine Seminararbeit blickt zurück



Blank, Bernhard:

Die Rezeption der Mondlandung in Österreich. Seminararbeit am Institut für Zeitgeschichte, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät. Wien 2007


Zum 40. Mal jährte sich vergangenen Juli die bemannte Mondlandung der amerikanischen Apollo 11 Mission. Übertragen via TV vermochte die NASA es weltweit Millionen von ZuseherInnen zu bannen. Bernhard Blank hat sich auf erfrischender Weise im Rahmen seines Geschichte-Studiums mit der medialen Rezeption der Mondlandung in Österreich auseinandergesetzt.

 

 

Sputnik und Apollo: Wie war das noch mal?

 

Als die Exkursion ins All am 16. Juli 1969 startete, hatten die Sowjets nicht nur drei Tage zuvor ebenfalls die (unbemannte) Sonde Luna 15 zum Mond gestartet, sie waren ebenso schon seit 18 Jahren erfahrene Weltraumfahrer. Nachdem 1957 Sputnik 1 erfolgreich in den Orbit verfrachtet wurde, folgte noch im selben Jahr die Hündin Laika. Vier Jahre später schoss man ihren menschlichen Berufskollegen Juri Gagarin in eine Erdumlaufbahn. Und die Amerikaner? Die schickten mit jeweils einem Jahr Verspätung Satellit und Mensch ins All. Der Imageschaden als wegweisende Nation wurde daher ebenso mit Sorgen betrachtet, wie die Entwicklung reichweitenstarker sowjetischer Raketen. John F. Kennedy stimmte daher 1961 der Finanzierung einer bemannten Mondlandung zu, die fast so viel kosten sollte wie später der Vietnamkrieg.

Längst vergessen ist allerdings die Luna 15, mit der die Sowjets versuchten den Amerikanern in letzter Minute den Rang abzulaufen, in dem sie mit der Sonde Material vom Mond auf die Erde holten. Kein Wunder aber, ist sie doch bei der Landung auf dem Mond zerschellt.

 

 

Ein großer Schritt für die Menschheit?

 

Österreichische Zeitungen feierten die Mondlandung der Amerikaner als neues Jahr Null, äquivalent mit der Erfindung von Dingen wie Faustkeil, Rad, Hebel oder Schrift. Doch der Anfang des damals von der Presse proklamierten lunaren Zeitalters ließ Tageszeitungen nicht wie gewünscht ausschließlich über die USA als technische Großmacht berichten. Im Gegenteil, die mediale Inszenierung technischer Mächtigkeit lenkte den Blick förmlich auf die sozialpolitischen Probleme der USA. „Triumph  der Wissenschaft!  Triumph

der Technik! Triumph der Vereinigten Staaten von Amerika! Triumph der Mensch-

heit! Doch die Schande wohnt  gleich  nebenan!“, resümierte Staberl in der Kronenzeitung.

 

 

Und außerdem: Was hatte Österreich damit zu tun?

 

Wie Blank herausstreicht, litt die österreichische Presse auch schon am Ende der 1960er Jahre an dem, was man als kleinstaatliches Unwichtigkeits-Syndrom bezeichnen könnte: So konstruierten verschieden JournalistInnen einen österreichischen Beitrag am Raketenstart herbei, der speziell über jene Mitarbeiter des nationalsozialistischen V2-Raketenprogramms hergeleitet wurde, die aus Österreich stammend nach dem Krieg zur Raketenentwicklung in die USA auswanderten.  

 

 

TV-Ereignis Apollo

 

Die aktive und offene Medienpolitik der USA machte die Mondlandung allerdings zu einem der wichtigsten Medienereignisse des 20. Jahrhunderts. „Alle“ saßen vor dem Schirm, als der ORF seine bis dahin längste Sendung von insgesamt 27 Stunden präsentierte. Zum ersten Mal teilte die Welt die Zeugenschaft an einem Geschehen, das ohne TV nicht bezeugt werden konnte. Dabei war die Sache für die USA keineswegs risikofrei. Als man 1957 noch vor der  Sowjetunion einen Satelliten ins All schießen wollte, war die Trägerrakete Vanguard nach einsekündigem Flug als gigantischer Feuerball explodiert.

 

 

Das traurige Schicksal der Mondlandung

 

Dass die Mondlandung heute oft als potenzielles Hollywoodprodukt öffentlich diskutiert wird, liegt möglicherweise auch am geschulteren TV-Auge späterer TV-KonsumentInnen. Zuletzt hat allerdings die NASA selbst mit der Nachricht von verschwundenen Originalaufnahmen die Spekulationen angeheizt (von Armstrongs erstem Schritt sind nur die live übertragenen Fernsehbilder erhalten). Die Magnetbänder mit den Livemitschnitten des ORF wurden übrigens schnell wieder neu bespielt, denn es gab wichtigeres zu dokumentieren: Skispringen zum Beispiel.

Nichtsdestotrotz bleiben Mondlandung und Raumfahrt offensichtlich faszinierend, was sowohl die geplanten Weltraumflüge von Virgin Galactics zeigen, als auch Bernhards Blanks ausgesprochen lesbare und österreichbezogene Seminararbeit.

 

Der Autor: Bernhard Blank verfasst zurzeit seine Diplomarbeit am Institut für Geschichte der Universität Wien zu den Geschworenenprozessen gegen die Eichmann-Mitarbeiter Franz Novak und Erich Rajakowitsch in Österreich (1961-1986).

 

Der Rezensent: Jakob Calice ist Mitarbeiter von textfeld und schreibt als Stipendiat der Leeds Metropolitan University seine Dissertation über alpinen Wellness- und Natur-Tourismus.

 

» Übersicht
Bookmark Seite weiterempfehlen Druckansicht
© Alumniverband der Universität Wien | Impressum
.: designed by Agentur Zeitpunkt - powered by siteswift :.