"Tue Gutes und schlage Profit daraus"

Ethik und Wirtschaftlichkeit in Unternehmen - unvereinbare Gegensätze oder fruchtbare Koexistenz?



Karitnig, Christian:

Unternehmensethik als Produktivitätsfaktor? Bewertung, Status und Umsetzung in der Region Vorarlberg.

Diplomarbeit an der FH Vorarlberg, Studienzweig Betriebswirtschaft. 2006 


Ethisches Handeln innerhalb von Unternehmen zeigt sich auf vielfältige Weise, u. a. in einem kollegialen Umgang zwischen allen ArbeitnehmerInnen über die hierarchischen Grenzen hinaus, in reellen Aufstiegschancen, ausreichenden Angeboten zur Fortbildung, in einem konstruktiven Umgang mit Konflikten und in dem Angebot an gesicherten Arbeitsplätzen. Weshalb sollen solche Maßnahmen im unternehmerischen Denken Eingang finden? Der Betriebswirt Christian Karitnig ging in seiner Diplomarbeit „Unternehmensethik als Produktivitätsfaktor" http://textfeld.ac.at/text/1067auf diese Frage  ein.

  

  

Modelle zur Unternehmensethik

  

Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der Ethik und einem Streifzug durch ihre Begriffslandschaft geht Christian Karitnig ausführlich auf die Erläuterung mehrerer unternehmensethischer Modelle ein. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen nur in ihrem Einflussgrad auf unternehmerische Überlegungen. Soll Unternehmensethik als Basis jedes unternehmerischen Handelns oder bloß als begleitendes Maßnahmenpaket herangezogen werden? Auch auf die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen wird explizit eingegangen.

  

  

Gründe für Unternehmensethik

  

Drei empirische Studien werden exemplarisch zur Absicherung der These erwähnt, dass ethisches Handeln zu ökonomischem Erfolg führt. Ob es Untersuchungen mit konträren Ergebnissen gibt, bleibt leider unerwähnt. Als stichhaltiges Argument für die Implementierung unternehmensethischer Maßnahmen wird die verstärkte Motivation der MitarbeiterInnen durch die Möglichkeit der Identifizierung mit den Zielen eines Unternehmens angeführt. Erhöhte Motivation führe zu einer gesteigerten Produktivität, so die Annahme. Zudem wird Unternehmen mit starken ethischen Grundsätzen ein klarer Wettbewerbsvorteil zugesprochen, da es zunehmend mehr die "immateriellen Vermögenswerte" (z.B. Reputation) als die konkreten Produkte und Dienstleistungen sind, die KundInnen und Kapitalmärkte an spezifische Unternehmen binden. Christian Karitnig spricht sich ganz klar gegen einen unternehmensethischen Ansatz aus, der sich ausschließlich an ökonomischen Gesichtspunkten orientiert. Trotzdem werden kaum Begründungsmomente angeführt, die keinen gewinnorientierten Hintergedanken verfolgen und sich gegen die Verunmenschlichung der freien Marktwirtschaft wenden.

  

  

The business of business is business?

  

Der Philosoph Konrad Paul Liessmann sagt: "Profite machen und nach Sinn streben, einen Konzern erfolgreich managen und nach dem christlichen Liebesgebot handeln, geht das zusammen? Nein."

Christian Karitnig kommt in seiner Diplomarbeit hingegen zum Schluss, dass unternehmensethisches Handeln und wirtschaftliches Denken zwei Seiten einer Medaille - die der Produktivität - sind. Unternehmensethik als Produktivitätsfaktor? Ja, na klar!

  

Die Diplomarbeit „Unternehmensethik als Produktivitätsfaktor" ist auf textfeld.ac.at im Volltext

  

http://textfeld.ac.at/text/1067

nachzulesen.

  

  

  

Der Autor

Christian Karitnig (Jg. 1971, Mag. (FH)) studierte Internationale Unternehmensführung an der FH Vorarlberg. Er arbeitet derzeit als IT-Organisator und Projektleiter bei einem Beschlägehersteller in Höchst.

Die Rezensentin

 Stefanie Bräuml studierte Musik und Musikpädagogik am Brucknerkonservatorium Linz und am   Mozarteum Salzburg und arbeitet als Musikpädagogin und Kulturvermittlerin.

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