Unser Begriff von Raum ändert sich mit jeder neuen Medientechnologie, analysiert eine medienwissenschaftliche Diplomarbeit
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Räume des Medialen. Zum spatial turn in Kulturwissenschaften und Medientheorien lautet der Titel der Diplomarbeit http://textfeld.ac.at/text/1022/ von Thomas Schindl, der damit einen akuten Bedarf zu stillen vermag. Wenigstens zeitweise, denn die Fragen, denen er sich widmet, fordern eine immer wiederkehrende Diskussion: die mangelnde Auseinandersetzung mit der Thematik Raum gerade im Hinblick auf Information, Kommunikation und Medien ist prekär. Schindl will den Spuren die Medien und Kommunikation im Raum setzen folgen um neu entstandene Räume bewusster wahrzunehmen und um auf die Möglichkeiten der Nutzbarkeit dieser Räume für den Menschen und sein Umfeld hinzuweisen.
So wie Medien Veränderungen und Entwicklungen entfachen und sich selbst daraus erschließen, so sind auch die daraus entwachsenen Räume keine unveränderbaren Schatzkästchen, sondern bewegliche Möglichkeiten der Kommunikation.
Die Tauschbarkeit des Raum- und Medienbegriffs
Eine spannende Hypothese liegt der Arbeit zugrunde, die Tauschbarkeit des Raum- und Medienbegriffs. Raum und Medium sind auf dem ersten Blick zwei völlig unterschiedliche Termini, die nicht viel miteinander zu tun haben. Doch der Schein trügt, denn Raum und Medium bedingen sich nicht nur wechselseitig, sondern sind eben auch austauschbar. Was Raum und Medium verbindet ist die Vermittlung. Die Entwicklung eines neuen Mediums birgt auch die Entwicklung eines neuen Raumes in sich, den es zu erkunden gilt. Und auch umgekehrt fördert die Entstehung eines neuen Raumes die Entstehung neuer Medien.
Die kulturelle Größe des Raumes
Unter Spatial turn ist jene Wende in den Human- und Kulturwissenschaften zu verstehen, die die kulturelle Größe des Raums erkennt und diese effizient für die Gesellschaft nutzen will.
Das wirft die Fragen auf, mit denen sich der Autor befasst: Welche Räume müssen aufgebaut
werden, damit Kommunikation funktioniert? Wie stehen globalisierte Räume in Beziehung zu digitalisierten Medien?
Dabei seilt sich Thomas Schindl von der medialen Geopolitik zur globalen Raumökonomie ohne dabei die gewissen Größen zu vergessen. So nimmt der Wirtschaftshistoriker und spätere Medientheoretiker Harold A. Innis als Verfechter des Raum-Zeitverhältnisses eine wichtige Rolle in dieser Arbeit ein. Dieser hatte in den 40er Jahren den Zusammenhang zwischen Medientechnologie und Herrschaft („Communication and Empire") von der Antike bis ins 20. Jahrhundert untersucht.
Heute bringt die weitere Öffnung des Medienzugangs als wichtiger Sprössling der Globalisierung eine neue Form der sozialen Organisation mit sich. Auch in der modernen Architektur und Stadtplanung ist es offensichtlich, dass die Gestaltung der Räume die soziale Interaktion und Kommunikation verändern und neu entstehen lassen.
Global Cities
Von der medialen Geopolitik geht Schindl weiter zur globalen Raumökonomie und zu Saskia
Sassens „Global Cities", die ohne Telematik undenkbar wären. Es sind Städte, die im Zusammenschluss mit anderen funktionieren. Der urbane und globale Raum der Global Cities lässt andere Räume wachsen. Neue Räume der gesellschaftlichen Organisation und Interaktion werden geboren und die bestehenden räumlichen Ordnungen relativiert.
Politik, Wirtschaft, Technik und Kultur begegnen sich in diesen Räumen und verlangen nach Auseinandersetzung. Basierend auf Vernetzung gewinnt Vermittlung eine ganz neue Wertigkeit, womit auch die Kernthese der Arbeit umrissen wäre.
Globale virtuelle Räume
Wenn Thomas Schindl vom Raum schreibt verliert die Begrenzung nach Länge, Breite und Höhe ihre Spannkraft. Hier wird Tiefe gewonnen, denn die Räume des Medialen begreifen sich nicht durch Begrenzung sondern im verbindenden Element. Bevorzugter Weise sind es die virtuellen Räume von denen Thomas Schindl schreibt. Dass dabei der Prozess der Globalisierung als Spielhof der virtuellen Räume herhält ist verständlich. Gerade in diesem Kontext ist die Verlautbarung von Räumen, die Medien und Kommunikation schaffen, von höchster Bedeutung: für unser gesellschaftliches Zusammenleben und für unsere menschliche Existenz, die sich durch Kommunikation bestimmen lässt.
Die Diplomarbeit „Räume des Medialen. Zum spatial turn in Kulturwissenschaften und Medientheorien" ist in Auszügen auf textfeld http://textfeld.ac.at/text/1022/ nachzulesen
Der Volltext ist als Buch im Verlag Werner Hülsbusch erschienen. Die Präsentation des Buches findet am Dienstag dem 10. Juni um 18.30 in der Cafeteria der Akademie der Bildenden Künste statt.
Der Autor
Thomas Schindl (Jg. 1981, Mag.phil) hat Kommunikations- und Medienwissenschaft in Wien und Paris studiert. Neben seiner derzeitigen Tätigkeit als freiberuflicher Redakteur im Bereich audiovisuelle Medien arbeitet Schindl an zahlreichen kreativen Projekten in den Bereichen Film, Musik, Theater, Kunst und Literatur.
Die Rezensentin
Ingrid von Schlechtleitner (Jg.1981) steht kurz vor dem Abschluss ihres Studiums der Kommunikations- und Medienwissenschaft in Wien, wobei sie sich als Diplomarbeitsthema mit Walter Benjamins Rundfunkarbeiten beschäftigt hat. Neben dem Verfassen von Buchrezensionen arbeitet sie für ein Onlinemagazin.