Referat Frauenförderung & Gleichstellung

  

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Interview mit Mag.a Sylwia Bukowska

  

Was umfasst das Angebot des Referats Frauenförderung & Gleichstellung?

Das Referat Frauenförderung und Gleichstellung der Universität Wien ist vor über acht Jahren, im Herbst 2000, gegründet worden. Seitdem haben wir viele verschiedene Maßnahmen ins Leben gerufen: das Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschafterinnen „muv", ein Curriculum zur Karriereplanung für Wissenschafterinnen „Potentiale erkennen. Visionen entwickeln. Zukunft gestalten. Frauen in der Wissenschaft planen ihre Laufbahn" (in Kooperation mit der Personalentwicklung der Universität Wien), die Beratungsstelle Sexuelle Belästigung und Mobbing, die Ausstellung „Frauen Leben Wissenschaft", verschiedene Seminare für Diplomandinnen und Dissertantinnen, mehrere Publikationen. Darüber hinaus beteiligen wir uns auch an Maßnahmen für Mädchen/Schülerinnen, wie dem „FIT Frauen in die Technik"-Programm oder dem Töchtertag der Stadt Wien.

  

  

Inwieweit ist dieses für Alumni und Alumnae interessant?  

Unsere Maßnahmen richten sich an verschiedene Zielgruppen. Für Alumnae der Universität Wien sind natürlich all jene Programme und Initiativen an unserem Referat von Interesse, die sich an Dissertantinnen/Wissenschafterinnen richten, wie das Mentoring-Programm oder das Karriereplanungs-Curriculum. Ab dem Sommersemester 2009 bieten wir ein breit angelegtes Seminarprogramm für Dissertantinnen an, neben wissenschaftlichen Schreibwerkstätten geht es hier auch ums Netzwerken oder Tipps bei Projekt-Antragsstellungen.

Selbstverständlich geht es bei unserer Arbeit jedoch nicht nur darum, Serviceangebote für Frauen anzubieten. Unsere Maßnahmen setzen sich zum Ziel, einen Beitrag zu einer Kulturveränderung an der Universität zu leisten. Ein schönes und wichtiges Beispiel: Die Einbindung von Professoren (neben Professorinnen) der Universität Wien in unser Mentoring-Programm hat mehrmals gezeigt, dass es einen "Lerneffekt" auf beiden Seiten gibt. Während der Begleitung von Nachwuchswissenschafterinnen in diesem Programm werden Schlagwörter wie „strukturelle Hindernisse" oder „Karrierehemmnisse für Frauen" konkret nachvollziehbar. Das trägt viel zur Sensibilisierung bei.

  

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Was sind die Highlights? Was ist besonders gefragt? Auf welche Erfolge blicken Sie zurück?

Wir freuen uns sehr, dass das Mentoring-Programm, welches zu Beginn zwei Mal über Drittmittel des Europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziert wurde, nun seit Jahren als eine Nachwuchsfördermaßnahme in der Frauenförderung der Universität Wien implementiert ist. Das Programm blickt mittlerweile auf drei sehr erfolgreiche Durchgänge zurück, der vierte hat gerade im Herbst 2008 begonnen.

Ein weiteres Highlight war für uns die Wanderausstellung „Frauen Leben Wissenschaft", die ein Jahr lang bis Sommer 2008 an mehreren Standorten der Universität Wien gezeigt wurde. Anhand von Interviews zeigt sie Studentinnen und Wissenschafterinnen der Universität Wien aus einer persönlicheren Perspektive und liefert außerdem viele Daten und Fakten zum Thema „Frauen an der Universität Wien".

Á propos Daten und Fakten: wir geben regelmäßig Datenbroschüren mit genderspezifischen Statistiken der Universität Wien heraus, die nächste ist bereits in Vorbereitung und wird im Sommer 2009 erscheinen.

  

  

Was ist weiters für die Zukunft geplant?

Wie schon erwähnt, wird heuer eine weitere, aktuelle Datenbroschüre erscheinen. Im Sommersemester startet das oben beschriebene Seminarprogramm für Dissertantinnen der Universität Wien. Das Mentoring-Programm wird aller Voraussicht nach 2010 mit einem weiteren Durchgang starten, 2009 planen wir eine Publikation einer Follow-Up-Evaluation der ersten beiden Durchgänge aus den Jahren 2001 und 2003. Wir sind schon sehr auf die Ergebnisse gespannt, da sie sich dieses Mal speziell den längerfristigen Effekten einer Maßnahme wie dem Mentoring-Programm widmen wird.

  

  

Was muss alles erreicht sein, dass eine Einrichtung wie die Ihre nicht mehr benötigt wird? Und wie könnte man dahin kommen?

In den letzten Jahrzehnten hat nach und nach langsam eine Veränderung der Wissenschaftskultur im Hinblick auf mehr Geschlechtergerechtigkeit begonnen. Trotz all der rechtlichen Rahmenbedingungen und zahlreicher Frauenförderinitiativen kann aber immer noch nicht von einer ausgewogenen Repräsentanz der Geschlechter im Wissenschaftsbetrieb gesprochen werden. Die allgemein bekannten Zahlen belegen das sehr einprägsam: unter den Studierenden stellen Frauen mittlerweile eine Zwei-Drittel-Mehrheit dar, unter den AssistentInnen beträgt ihr Anteil fast die Hälfte, unter den ProfessorInnen jedoch weniger als ein Fünftel. Das Geschlecht spielt immer noch eine Rolle. Das Ziel ist es, dass die strukturellen Hindernisse für Wissenschafterinnen abgebaut werden. Dafür ist nach wie vor vieles notwendig, angefangen bei der Sensibilisierungsarbeit bis hin zu konkreten Projekten.

  

  

Wäre an der Universität Wien eine entsprechend unterstützende Einrichtung  für Alumnae mit nicht-wissenschaftlich orientierter Karriereplanung nicht ebenso notwendig?

Maßnahmen und Angebote zur Unterstützung nicht-wissenschaftlicher Karrierepläne sind selbstverständlich ebenfalls sehr, sehr wichtig.

Dafür wurden Anlaufstellen geschaffen wie das UNIPORT oder die UNI-SUCCESS Berufsorientierungsmesse. Diese vielfältigen Angebote sind vielleicht nicht dezidiert mit einem frauenfördernden Fokus versehen, Kooperationen in diesem Bereich wären natürlich denkbar.

  

  

Was raten Sie einer Wissenschafterin, die eine Karriere an der Universität - intern oder extern - anstrebt?

Wichtig wäre, sich nicht abbringen zu lassen, wenn jemand mit Leidenschaft und Überzeugung an wissenschaftlichen Themen arbeiten möchte. Und bei Hindernissen oder Schwierigkeiten nicht sofort die gesamte Verantwortung auf sich zu laden - die Erkenntnis, dass vieles mit strukturellen Rahmenbedingungen zusammenhängen kann, ist extrem wichtig, um nicht sogleich auf ein individuelles „Ich bin offenbar nicht gut genug für die Wissenschaft" zurückzugreifen.

  

  

http://frauenfoerderung.univie.ac.at/

  

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